Nr. 2 vom 14.04.2023

Schwerpunkt: Es wird einmal...

Geschichten wirken. Sie haben eine eigenartige Magie. Egal, ob Drama oder Tragödie: Auf der Hinterbühne der Organisation erzählen sie sich wie von selbst und steuern so täglich das Verhalten. Besonders relevant wird das, wenn es darum geht, die Dinge anders anzugehen als bisher. Denn Organisationskulturen bestehen aus vielfältigen Erzählungen. In ihnen ist kollektive Erfahrung gespeichert. Dazu gehören auch die Geschichten des Wandels der Vergangenheit. Je nachdem, ob das Tellerwäscher-zum-Millionär-Stories sind, Geschichten über Entmündigung oder Befreiung, über Mut oder Verzagen, können sie unser Herz für die Veränderung öffnen – oder verschließen.

In dieser Ausgabe der OrganisationsEntwicklung schauen wir genauer hin, warum Geschichten ein so bedeutsames Thema für die Organisationsentwicklung sind und wie man die Erzählung der Organisation ganz neu schreiben kann.

Eine Auswahl der Themen:

  • Geronnene Erfahrung: Geschichten als Grundlage der Unternehmenskultur
  • Ernstes Spiel: Kreativer Eingriff in die Narration
  • Große Story, kleine Wirkung: Risiko Change-Storytelling
  • Fußball als große Erzählung: Wie die Eintracht Geschichte(n) macht
  • Wirksame Disruption: Organisationale Pfadabhängigkeit überwinden

Gespenster-Geschichten

Rätselhaft, warum es im Leitungsteam noch immer nicht funktioniert. Leute wurden ausgewechselt. Man hatte sich auf Führungsklausuren Treue und Vertrauen geschworen, gecoacht und transformiert. Jetzt sollte es doch endlich voran gehen mit der Strategie. Aber nein – irgendwie bleiben alle hinterm Berg mit ihrer Meinung. Und spricht man mit der nächsten Ebene, wirkt diese merkwürdig ahnungslos in Bezug auf den Wandel. «Hier spuken noch die Schauergeschichten von früher herum» sagt der Geschäftsführer. Die ehemalige Leitung hatte mit schwar­zen Listen geführt, Teams gespalten, Leute ausgegrenzt. Das sei zwar jetzt schon drei Jahre her, aber die alten Geschichten hielten sich hartnäckig.

Geschichten wirken. Sie haben eine eigenartige Magie. Auf der Hinterbühne der Organisation erzählen sie sich wie von selbst und steuern so täglich das Verhalten. Besonders relevant wird das, wenn es darum geht, die Dinge anders anzugehen als bisher. Denn Organisationskulturen bestehen aus vielfältigen Erzählungen, in ihnen ist kollektive Erfahrung gespeichert. Dazu gehören auch die Geschichten des Wandels der  Vergangenheit. Je nachdem, ob das Tellerwäscher-zum-Millionär-Stories sind, Geschichten über Entmündigung oder Befreiung, über Mut oder Verzagen, können sie unser Herz für die Veränderung öffnen – oder verschließen.

In dieser Ausgabe der OrganisationsEntwicklung schauen wir genauer hin: Warum sind Geschichten ein so bedeutsames Thema für die Organisationsentwicklung? Was macht wirklich gute Geschichten aus? Kann  man die Erzählung der Organisation neu schreiben? Wie geht das genau? Wir lernen, dass es wichtig ist, im Wandel bewusst mit den Erzählungen der Organisation umzugehen und sie kollektiv zu deuten. Wie man in den Erzählstrom der Organisation kreativ einsteigen kann, beschreibt eine internationale Fallgeschichte, die ein kollektives Erlebnis schafft, um zu einer neuen Gemeinsamkeit zu finden. Die Eintracht Frankfurt schreibt Geschichte – wie das geht, erzählt uns deren Kommunikations­leiter im Gespräch. Verschiedene Perspektiven verdeutlichen die Bedeutung guter Erzählung in der Praxis: Die Hürden beim Wachs­tum von Sozialunternehmen sowie die Entstehungsgeschichte einer sozialen Müsli-Rösterei sind spannende Change-Stories.

Besonders freue ich mich, dass wir in dieser Ausgabe viele Praxistools für die Arbeit mit der organisationalen Erzählung anbieten. Mit den Story Circles, Plotkurven und dem Storytelling als Helden­reise sollte es  gelingen, die Gespenster der Vergangenheit zu verscheuchen.