Editorial Ausgabe 1/22

Kompetent kooperieren in einer komplexen Welt

Thomas Müller, Fußballer beim FC Bayern, erklärte den Champions-League-Erfolg seines Teams 2020 damit, dass «wir uns darum streiten, wer den Fehler des anderen wieder gut macht». Auch andere Organisationen wünschen sich diese kollektive Achtsamkeit und dieses Füreinandereinstehen, wenn es um gelingende Kooperation zwischen Geschäftseinheiten, Teams oder Personen geht. Die Organisationspraxis ist oft ernüchternder. Denn: Unser men­tales Modell einer simplen Kooperation à la Bottle-Party («Jede*r bringt etwas mit und am Ende passt es schon») greift zu kurz. In nahezu allen Branchen ist der Komplexitätsgrad durch die Gleichzeitigkeit unterschiedlicher Sichtweisen und Narrative massiv gestiegen – Stichwort: Corona-Debatte.

Den Themenschwerpunkt haben wir mit viel Lust an der Zusam­men­arbeit zu zweit erarbeitet. Den Auftakt liefert Adam Kahane, der mit seinem Konzept der «stretch collaboration» aufzeigt, wie sich Zusammenarbeit in anspruchsvollen Konstellationen starker Ziel- und Interessenkonflikte gestalten lässt. Beatrix Busse beschreibt am Beispiel der Universität Köln, wie Expertenorganisationen durch ein «Arenenkonzept» Strategien und Kooperationsfähigkeit entwickeln. Monika Wiederhold und Barbara Perner berichten, wie durch eine neue Industriekollaboration innovative, digitale Lösungen für sicheres Reisen in der Covid­-Krise entwickelt wurden. Bei all diesen Herausforderungen bilden nach Jane Dutton und Monica Worline «high-quality connections», d. h. besonders positiv erlebte zwischen­menschliche Begegnungen, eine wichtige, oft vernachlässigte Ressource für Kollaboration.

Außerhalb des Schwerpunkts erwartet Sie ein Blumenstrauß von Themen. In kritischer ZOE-Manier nimmt Maximilian Locher das «Mitnehmen» und «Abholen» im Wandel aufs Korn. Melissa Kowalski und Guido Möllering zeigen das Potenzial von Humor in Orga­nisationen auf, gerade wenn es um Konflikte geht. Drei Bei­träge zum Thema Agilität bieten Orientierung jenseits des Hypes: Herbert Gölzner und Julian Beyer ordnen die Vielfalt agiler Methoden. Sebastian Harrer, Lucie Perrot und Jasmin Drogi berichten über deren Weiterentwicklung bei der ING Deutschland. Sophie Hummel und Ann-Katrin Stehle zeigen anhand von neun Irrtümern, wie Unternehmen agile Methoden konterkarieren – und wie es funk­tionieren kann.

Kooperation ist und bleibt ein grundlegender Prozess für das Überleben und die Entwicklung sozialer Systeme. Mit den Worten von Henry Ford: «Zusammenkommen ist ein Anfang, Zusammenbleiben ist ein Fortschritt, Zusammenarbeiten ist ein Erfolg.»

Wir wünschen Ihnen eine anregende Lektüre.

Herzlich, Ihr Thomas Schumacher mit Torsten Schmid


Aus Ausgabe Nr. 1/22: Zusammenarbeit – Wie Organisation kooperiert

Organisationen brauchen gelingende Kooperation zwischen ihren Akteuren. Doch die Praxis ist oft ernüchternd. Deshalb gehen wir im aktuellen Heft dem Thema auf den Grund: Wie lässt sich Zusammenarbeit in Konstellationen mit starken Ziel- und Interessenkonflikten gestalten? Wie entwickeln Expertenorganisationen Kooperationsfähigkeit? Und wie gelingen neue Industriekollaborationen in der Covid-Krise?

Es geht unter anderem um positive zwischenmenschliche Begegnungen als vernachlässigte Ressource für Zusammenarbeit. Kooperation ist und bleibt der Kern für das Überleben und die Entwicklung sozialer Systeme. Henry Ford sagte dazu: «Zusammenkommen ist ein Anfang, Zusammenbleiben ist ein Fortschritt, Zusammenarbeiten ist ein Erfolg.»