«Es zeigt sich eine patriarchale Führungskultur, bei der Strategieentscheidungen persönlich gesteuert werden und nicht über transparente Verfahren.»
ZOE: Was macht Familienunternehmen zu interessanten Forschungsgegenständen in der Soziologie?
Beckert: Zunächst einmal sind sie einfach ein wichtiger Teil der Volkswirtschaft, gerade in Deutschland. Schon daher geraten Familienunternehmen in die Aufmerksamkeit. Doch es gibt auch systematische Gründe für das Interesse. Bei Familienunternehmen stoßen zwei soziale Logiken aufeinander: auf der einen Seite die Familie mit ihrer Orientierung an emotionaler Nähe, Solidarität und Gemeinschaft – auf der anderen Seite die Ökonomie mit ihrer Orientierung an Effizienz und wirtschaftlicher Rationalität. Wie diese beiden Handlungsorientierungen miteinander verschmelzen, aber auch in Konflikt zueinander geraten ist aus sozialwissenschaftlicher Perspektive ungeheuer spannend. Vielleicht noch ein weiterer Punkt: Die größten Vermögen in Deutschland gruppieren sich um Unternehmen und werden als Betriebsvermögen vererbt. In einer Zeit, in der soziale Ungleichheit eine hohe Aufmerksamkeit erlangt, werden die Mechanismen des langfristigen Erhalts dieser Vermögen interessant – und damit die Familienunternehmen.
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