Zutiefst menschlich

oder wie die Beratung KI nutzen kann

Künstliche Intelligenz (KI) ist eine der größten technologischen Herausforderungen und Chancen unserer Zeit. Sie verändert nicht nur die Art und Weise, wie wir kommunizieren, arbeiten und lernen, sondern auch die Rolle und den Wertbeitrag von Beratung. Wie können Beratende nun das Zusammenspiel mit KI professionell gestalten und dabei Potenziale und Risiken besser einschätzen und in ihr Beratungshandeln einfließen lassen? Wo ist die KI dem Beratenden überlegen, wo aber (noch) nicht? Das alles versteht sich vor dem Hintergrund der steten Weiterentwicklung von KI als eine Momentaufnahme.

KI ist ein Sammelbegriff für verschiedene Methoden und Anwendungen, die es Maschinen ermöglichen, aus Daten zu lernen, zu verstehen und zu handeln. KI kann dabei viele Aufgaben erledigen, die bisher von Menschen durchgeführt wurden – und das oft schneller, genauer und kostengünstiger. Dabei kann die KI Routineaufgaben übernehmen, die den Arbeitsalltag vereinfachen, oder zum Beispiel Prozesse über Anwendungen hinweg automatisieren. Beispielsweise beschreibt der Job-Futoromat des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit – ein webbasiertes Tool unter https://job-futuromat.iab.de –, dass 25 Prozent der Tätigkeiten von Unternehmensberater*innen schon heute aufgrund von digitalen Technologien automatisierbar sind.

Was kann generative KI?
Generative KI unterscheidet sich von herkömmlicher KI durch die Fähigkeit, neue Inhalte zu erstellen (generieren). Während herkömmliche KI-Modelle auf die Analyse und Interpretation vorgegebener Datenmengen beschränkt sind, kann generative KI eigenständige Ideen, Designs, Texte oder Lösungen hervorbringen, die auf bestehenden Daten basieren, aber eben darüber hinausgehen. Diese Fähigkeit ermöglicht die Entwicklung von innovativen Ideen und Lösungsansätzen und macht generative KI zu einem bedeutsamen Einflussfaktor auf Beratungsarbeit in Organisationen. Wenn wir in diesem Kontext also von KI sprechen, beziehen wir uns in erster Linie auf generative KI.
Beispiele für den Einsatz von KI im Organisationsberatungskontext:
• Organisations- und Kulturdiagnose: Qualitative Daten aus Interviews oder Umfragen können von KI in kürzester Zeit transkribiert, kodiert, kategorisiert, visualisiert und miteinander in Bezug gesetzt werden. Dies erleichtert die Verarbeitung von großen und qualitativen Datenmengen in kurzer Zeit und die Anwendung auf diagnostische Prozesse. Zudem eröffnet KI die Möglichkeit, Primär- sowie Sekundärdaten für die Diagnose zu nutzen.
• Recherche und Zusammenfassung von Themen: KI kann aus großen Datenmengen lernen und komplexe Muster erkennen, um innovative Lösungen sowie kreative Ideen zu generieren, die menschliche Entscheidungsprozesse übertreffen können (bspw. die zentralen Ergebnisse von Mitarbeiterbefragungen über die vergangenen zehn Jahre). Dadurch ist es möglich, sich schnell einen differenzierten Überblick über relevante Themenfelder zu verschaffen sowie kollektive Handlungsmuster einer Organisation zu identifizieren.
• Konzeption und Design von Interventionen: Bei der Konzeption von Beratungsinterventionen aber auch Workshops oder Trainingsmaßnahmen lassen sich über KI konkrete Abläufe oder Vorgehensmodelle generieren, die zur Anregung genutzt und weiter adaptiert werden können.
• Moderation und Dokumentation: Mit den Möglichkeiten von KI lassen sich Beiträge von Diskussionsteilnehmenden erfassen, verarbeiten und verfügbar machen. Dadurch können die Stimmen vieler Teilnehmender nicht nur sichtbar, sondern auch schnell zusammengefasst und strukturiert werden. Fotoprotokolle lassen sich anhand von KI nicht nur auslesen, sondern auch inhaltlich analysieren, so dass in Kürze die essenziellen Kernbotschaften daraus abgeleitet werden können.
• Coaching: KI-Systeme sind in der Lage, Daten über eine Person zu sammeln und zu analysieren, um ein besseres Verständnis ihrer Persönlichkeit, ihrer Stärken und Schwächen zu erlangen. KI kann Persönlichkeitsprofile erstellen, Verhaltensmuster erkennen, Feedback zu Fragestellungen geben und individuelle Lernpfade anbieten. Auf dieser Grundlage kann das System personalisiertes Feedback und maßgeschneiderte Lernpläne bereitstellen, um die persönliche und berufliche Entwicklung zu fördern (siehe zum Thema Coaching und KI auch das Gespräch mit Nicky Terblanche in dieser Ausgabe).

Was kann KI (noch) nicht?
KI ist bisher nicht in der Lage, alle Aspekte der Beratung zu ersetzen oder zu verbessern. Sie hat einige Grenzen und Schwächen, die es für Beraterinnen und Berater erfordert, kritisch und reflektiert mit ihr umzugehen. Einige Beispiele für das, was KI im Organisationskontext nicht kann, sind:
• KI kann nicht die Interessen, Bedürfnisse und Erwartungen aller Stakeholder abwägen oder einbeziehen und kann auch nicht die ethischen, sozialen und politischen Implikationen von Entscheidungen und Handlungen berücksichtigen: KI kann zwar Vorschläge und Empfehlungen anbieten, aber nicht die Verantwortung für die Konsequenzen übernehmen.
• KI kann keine sozialen Verstehensprozesse und Lernprozesse anstoßen, zu denen es den Dialog und die Auseinandersetzung braucht: KI kann zwar Daten analysieren und Muster erkennen, aber nicht die Bedeutung und den Sinn hinter den Daten verstehen oder vermitteln. KI kann nicht die Emotionen, Werte und Motive der Beteiligten erfassen oder beeinflussen und kann nicht die Vielfalt, die Komplexität und die
Dynamik von Situationen und Problemen erfassen oder gestalten.

«KI kann zwar Empfehlungen anbieten, aber nicht die Verantwortung für die Konsequenzen übernehmen.»

• KI kann nicht garantieren, dass die produzierten Antworten tatsächlich richtig sind; schließlich beruht KI ausschließlich auf verfügbaren Daten, die in ihrer Kombination durchaus Fehler, Unwahrheiten und Vorurteile produzieren können.
• KI kann keine vertrauensbasierte, zwischenmenschliche Kommunikation ersetzen, die in Organisationen nicht selten das «soziale Schmiermittel» für erbrachte Leistungen ist.
• KI kann keine sozialen Spannungen und Konflikte generieren, sondern ist in erster Linie lineare und ausgewogene Informationsvermittlung.
• KI hat das Potenzial organisationale Entscheidungsprozesse mit Blick auf Effizienz und Schnelligkeit zu verbessern, ist aber nicht in der Lage das soziale Miteinander in der Entscheidungsfindung zu antizipieren oder gar zu gestalten. Entsprechend aussagelos ist KI bezüglich sozialer Folgeprozesse bei Entscheidungsfindungen. Potenzielle Gefahren sind somit ungesteuerte Entscheidungsprozesse sowie damit verbundene
Aspekte der Ethik, Moral oder Fairness bei Entscheidungen.

Erste Anregungen für die Praxis von Beratung
Aus den obigen Beispielen lassen sich einige Anregungen ableiten, die die Rolle und den Wert von Beratung in einer Welt mit KI beschreiben. Diese Impulse sind nicht als absolute Wahrheiten zu verstehen, sondern als Anstöße zum Nachdenken und Diskutieren. Mit der kontinuierlichen und emergenten Weiterentwicklung von KI wird sich deren Bedeutung für Beratung ganz sicher in nächster Zukunft weiter ausdifferenzieren.
• Verschiedene Beratungsfelder sind unterschiedlich betroffen: Je nach Grad der Standardisierung, der Komplexität und der Emotionalität der Beratungsaufgabe kann KI mehr oder weniger hilfreich oder schädlich sein. Während klassische Fachberatung vermutlich deutlich mehr von KI beeinflusst werden wird, werden all diejenigen, die sich mit Prozessbegleitung, der Gestaltung von sozialen Lernerfahrungen und systemischer Beratung beschäftigen, als Beraterinnen und Berater weniger von KI betroffen sein bzw. diese vor allem als Arbeitserleichterung nutzen können.
• KI ist ein Tool und keine Lösung: KI ist ein Werkzeug, das Beraterinnen und Berater nutzen können, um ihre Arbeit zu vereinfachen, zu verbessern oder zu erweitern. KI ist aber nicht die Lösung für Probleme oder die Garantie für Erfolg. So wäre es bspw. unseriös, eine KI-basierte Kulturanalyse als gesetzt zu interpretieren (So ist es!), ohne hierzu eine begleitete dialogische Verarbeitung der Ergebnisse durchzuführen.
• Beratung sorgt für Intention und Kontextualisierung: KI kann zwar Daten liefern und verarbeiten, Verträge aufsetzen, aber nicht die Frage stellen, warum und wofür diese Daten gebraucht werden. Beratung kann die Intention und die Kontextualisierung von Daten sicherstellen, indem sie die Auftraggeber und die Zielgruppen einbezieht, die Bedarfe und die Erwartungen klärt und die Ergebnisse und die Wirkungen evaluiert. Beratung kommt dabei auch die Aufgabe zu, Ergebnisse der KI in einem zweiten oder dritten Arbeitsschritt zu validieren und ggf. auf den Kontext zu adaptieren. Dafür muss Beratung in der Lage sein, durch Daten generierte probabilistische Aussagen zu verstehen, zu analysieren und zu kommunizieren.

«Entscheidungen im Kontext von Ungewissheit bleiben menschliche sinnstiftende Kommunikationsprozesse.»

• Entscheidungsprozesse neu gestalten und verhandeln: Generative KI schafft neue, zusätzliche Entscheidungsanlässe und eine neue Entscheidungsdichte in Organisationen. Damit stellt sie bisherige Entscheidungsprozesse in Frage bzw. verlangt von Entscheidungsträger*innen, diese Prozesse neu zu gestalten und zu verhandeln. Rollen und Verantwortlichkeiten in der Entscheidungsfindung müssen somit neu kalibriert werden, damit KI-Systeme klug in die Kommunikations- und Entscheidungsprozesse integriert werden. Dabei hat Beratung die Aufgabe, das Klientensystem nicht nur über diese Fragen zu informieren, sondern bei der Etablierung neuer Entscheidungsprozesse zu unterstützen. Kurz gesagt: Entscheidungen im Kontext von Ungewissheit und Mehrdeutigkeit sind und bleiben menschliche sinnstiftende Kommunikationsprozesse.
• Widersprüche und Paradoxien bewusst sichtbar und besprechbar machen: KI basiert auf dem Austausch von Daten und Informationen, die eine bestimmte Funktion oder einen bestimmten Nutzen erfüllen. Damit sind KI-basierte Lösungsansätze in erster Linie transaktional und kontextfrei, was dazu führt, dass sie bspw. organisationale Widersprüche und Paradoxien ausblenden. Es ist somit die Aufgabe von Beratung
diesem Umstand entgegenzuwirken und einer vermeintlichen Trivialisierung und schnellen Lösungs- und Entscheidungsfindungen entgegenzutreten. Dies zeigt sich bspw. in der Ausgestaltung von Handlungsstrategien im Umgang mit Konflikten, die sich nicht durch KI lösen lassen, sondern situations- und kontextsensitiv behandelt werden müssen. Hier hat Beratung die Aufgabe, Klient*innen nicht nur auf die Gestaltung von sozialen Kommunikations- und Interaktionsprozessen aufmerksam zu machen, sondern diese vor ungewollten Folgeprozessen einer rein auf Transaktionalität ausgerichteten Vorgehensweise aufmerksam zu machen.
• Für tiefgreifende Veränderungen liefert KI lediglich die Basis: Die Unterscheidung zwischen transaktional und transformational ist nicht nur eine Frage des Grades, sondern auch der Qualität der Beratung. Transformationale Beratung zielt darauf ab, neue Möglichkeiten zu schaffen oder zu entdecken, indem sie Lern- und Veränderungsprozesse anregt, die den Status quo hinterfragen oder verändern und bei Bedarf auch tiefgreifend sind. Transformationale Beratung ist entsprechend oft proaktiv, langfristig und prozessorientiert. KI kann nicht die Rolle eines Beratenden übernehmen, der die Fragen stellt, die Perspektiven wechselt, die Werte klärt, gruppendynamische Prozesse im Blick behält, Konflikte besprechbar macht und moderiert, die Beziehungen pflegt, das ganze System in den Blick nimmt, den Prozess hält, die Visionen entwirft, die Strategien entwickelt, die Maßnahmen umsetzt und die Erfolge feiert. KI kann diese Rolle nur unterstützen, indem sie Daten liefert, Muster erkennt, Vorschläge macht, Feedback gibt, Prozesse dokumentiert und Ergebnisse auswertet.
• Beratung hat/nutzt die innere Landkarte und die Erfahrung der Beraterinnen und Berater: KI kann nicht auf die persönliche und professionelle Erfahrung und das Wissen des Beraters/der Beraterin zugreifen. Beratung sollte daher noch bewusster die innere Landkarte nutzen, um soziale Kontexte und Dynamiken besprechbar und für Klientensysteme nutzbar zu machen.

Reaktionen der Beratung
Die obigen Anregungen zeigen, dass KI sowohl eine Chance als auch eine Herausforderung für die Beratungsbranche ist. KI kann viele Aufgaben übernehmen, die bisher von Beraterinnen und Beratern durchgeführt wurden, bietet aber auch neue Möglichkeiten und Erleichterungen für die Beratungspraxis. Wie können und müssen sich Beraterinnen und Berater auf diese Veränderungen vorbereiten und reagieren? Einige mögliche Schritte sind:
• KI konsequent als Ergänzung der eigene Beratungspraxis etablieren: Am Ende entscheidet der Mensch und KI ist die Unterstützung: Beraterinnen und Berater sollten sich nicht von KI abhängig machen oder ersetzen lassen, sondern sie als eine Unterstützung und eine Ergänzung ihrer Arbeit sehen. Dabei sollten sie die Gestaltungshoheit und die Verantwortung für Beratungsprozesse behalten und dabei KI klug als ein
mögliches Hilfsmittel einsetzen. Gleichzeitig sollten Beraterinnen und Berater KI konsequent in den eigenen Arbeitsalltag integrieren, um die Effizienzen in der eigenen Arbeit zu heben – schließlich tun das Kund*innen auch.
• Beratung braucht andere Fortbildungen und anderes Lernen: Beraterinnen und Berater sollten sich kontinuierlich weiterbilden und lernen, um mit der Entwicklung von daten- und technologiebasierten Entwicklungen wie KI Schritt halten zu können und sie sinnvoll einzusetzen. Gleichzeitig wächst der Anspruch an Beratung gerade in den Bereichen, die nicht technischer Natur sind; daher sollten sie sich auch methodisch, konzeptionell und persönlich qualifizieren, um die Kompetenzen und Haltungen zu entwickeln, die KI nicht bieten kann. Zudem sollten Beraterinnen und Berater über ein grundlegendes Verständnis der Funktionsweise von KI-Systemen und der zugrunde liegenden Technologien verfügen. Dies hilft ihnen, die Möglichkeiten und Grenzen von KI besser zu verstehen und die richtigen Tools für ihre Arbeit auszuwählen.
• KI eröffnet neue Beratungsanlässe und -felder: Beraterinnen und Berater müssen die von KI generierten Daten überprüfen und bewerten, bevor sie als Entscheidungs- und Handlungsgrundlage verwendet werden. Dies gilt auch für andere Beratungssituationen, in denen KI-basiertes Wissen als Basis für z. B. ein Trainingskonzept genutzt wird und die Beratungsaufgabe darin besteht, dieses zu validieren. Außerdem wird es für die Beratung wichtig sein, Kunden-Organisationen bei der Nutzung von KI zu begleiten – beispielsweise in Bezug auf die Auswirkungen von KI auf Führungshandeln oder wenn KI etwas als Entscheidungsgrundlage liefert und dies als absolut präsentiert, ohne dass es nachvollziehbar ist. Neben den neuen Beratungsanlässen werden neue Beratungsfelder entstehen, die sich mit dem Einsatz von KI im Arbeitsalltag von Organisationen befassen. Auf der individuellen Ebene wird es dabei darum gehen, Menschen darin zu unterstützen, KI-Kompetenzen zu entwickeln und diese im Arbeitsalltag effektiv einsetzen zu können. Auf der organisationalen Ebene wird Beratung Organisationen darin unterstützen, zu klären in welchen Bereichen und auf welche Weise KI in den Organisationen implementiert wird und ob deren Einführung auch den Zweck der Organisation unterstützt. Zudem wird Beratung bei der Implementierung von KI im organisationalen Alltag unterstützen.

Die Rolle von Beratung in einer Welt mit KI ist also nicht obsolet, aber sie muss sich noch mehr zu technologischen und datenbezogenen Entwicklungen verhalten. Das bedeutet, dass sich Beratende selbst wie die meisten anderen Berufsgruppen mit den Implikationen von KI auf ihr Tätigkeitsfeld selbstreflektiert und -kritisch auseinandersetzen müssen, um auch zukünftig mit den Anforderungen im Klientensystem Schritt halten zu können. Denn eines sollte mittlerweile deutlich geworden sein: KI ist weder Trend noch Hype, sondern stellt eine einschneidende Zäsur in der organisationalen Wertschöpfung dar, mit der es sich als Beraterin und Berater lohnt auseinanderzusetzen – kontinuierlich.

«KI ist weder Trend noch Hype, sondern eine einschneidende Zäsur in der organisationalen Wertschöpfung.»

KI-Tools für die Beratungsbranche
Zum Abschluss dieses Artikels möchten wir einige KI-Tools vorstellen, die für die Beratungsbranche sinnvoll sein können. Diese Tools sind nicht als eine abschließende oder verbindliche Liste zu verstehen, sondern als eine Auswahl von Beispielen, die die Vielfalt und das Potenzial von KI für die Beratungspraxis zeigen. Tools, die wir ausprobieren und die gerade stark diskutiert werden. Darunter sind Tools, die eher übergreifende Funktionen erfüllen und dadurch auch viele Einsatzmöglichkeiten haben, und andere, die eher in spezielle Anwendungsfelder und zu speziellen Anwendungsanlässen ihre Anwendung finden (vgl. Abbildung 1).


Chat GPT 4.0: ChatGPT 4.0 ist ein leistungsstarkes Modell für natürliche Sprachverarbeitung, das auf der Transformer-Architektur basiert. Es kann verschiedene Arten von Text generieren wie z. B. Dialoge, E-Mails oder Essays, indem es den Kontext und die Absicht des Benutzers berücksichtigt.
Gemini (Google Bard): Gemini ist ein innovatives Modell für natürliche Sprachverarbeitung, das auf der Graph-Neural-Network-Architektur basiert. Es kann nicht nur Text generieren, sondern auch Text verstehen, indem es die semantischen und logischen Beziehungen zwischen den Worten erkennt. Gemini ist in der Lage, verschiedene Arten von Text zu analysieren und zu produzieren.
Microsoft Copilot: Microsoft Copilot ist ein KI-Tool, das in die Office Suite eingebettet ist. Es erlaubt das Erzeugen von Texten in Word oder auch das Zusammenfassen von langen E-Mail-Verläufen in Outlook. Auch kann es in MS-Teams Meeting-Minutes erzeugen und unterstützt bei der Erstellung von Präsentationen und Analysen.
Kialo: Eine KI-gestützte Plattform, die strukturierte und rationale Diskussionen über verschiedene Themen ermöglicht. Sie nutzt Argumentationsmodelle, um Pro- und Contra-Argumente zu sammeln, zu bewerten, zu visualisieren und zu vergleichen.
Qualtrics: Ein KI-gestützter Service, der umfangreiche und aussagekräftige Feedbacks von verschiedenen Stakeholdern anbietet. Er nutzt Umfrage- und Analysetechniken, um qualitative und quantitative Daten zu sammeln, zu verarbeiten, zu visualisieren und zu interpretieren.
LexisNexis: Ein KI-gestützter Service, der umfassende und aktuelle Informationen aus verschiedenen Quellen aus dem juristischen Umfeld anbietet. Er nutzt Textanalyse, um relevante Daten zu suchen, zu filtern, zu bewerten und aufzubereiten und ist ein Beispiel für ein Fachberatungstool.
Zoom: Zoom ist ein KI-gestützter Service, der einfache und effektive Online-Meetings und Webinare anbietet. Er nutzt Sprach- und Bilderkennung, um die Kommunikation, die Interaktion, die Moderation und die Dokumentation von Online-Veranstaltungen zu erleichtern.
Howspace: Eine KI-gestützte digitale Arbeitsplattform, die speziell für die Beratungsbranche entwickelt wurde. Sie ermöglicht Beratern und Beraterinnen, Workshops, Schulungen und andere Veranstaltungen online, virtuell und hybrid durchzuführen, indem die Plattform Tools für die Zusammenarbeit, die Kommunikation und das Engagement bereitstellt. Gleichzeitig ist es möglich, mit dem Tool Analysen wie Organisationsanalysen und Befragungen durchzuführen. Man kann zudem in mehreren Sprachen parallel arbeiten.
DeepL und DeepL Writer: DeepL ist ein Online-Übersetzungsdienst, der künstliche Intelligenz nutzt, um Texte in mehreren Sprachen zu übersetzen. DeepL wurde 2017 von dem deutschen Unternehmen DeepL GmbH gestartet und basiert auf einem neuronalen Netzwerk, das mit einem großen Korpus von qualitativ hochwertigen Texten trainiert wurde. Es bietet Übersetzungen für 26 Sprachen an und soll laut unabhängigen Tests die Genauigkeit und Natürlichkeit anderer Übersetzungsdienste wie Google Translate oder Microsoft Translator übertreffen. DeepL Writer ist eine ergänzende Webanwendung, die es Benutzern ermöglicht, Texte in verschiedenen Sprachen zu schreiben, zu überprüfen und zu verbessern. Dazu bietet DeepL Writer zusätzliche Funktionen wie Stil-, Rechtschreib- und Grammatikprüfung, Synonymvorschläge, Wortzählung und Sprachausgabe.
DALL-E 3: Ein mit ChatGPT verknüpftes Tool, um Bilder zu generieren. So können schnell und einfach Visualisierungen für Themen und Inhalte erzeugt werden.
Beautiful.ai: Beautiful.ai ist ein Online-Tool für Präsentationen, das es einfach macht, ansprechende und professionelle Folien zu erstellen. Mit Beautiful.ai kann man aus Hunderten von vorgefertigten Vorlagen wählen, die sich automatisch an den Inhalt anpassen. Man kann auch eigene Designs erstellen, Bilder, Videos, Diagramme und Animationen hinzufügen und die Präsentation mit anderen teilen oder herunterladen.
Sora: Sora ist ein innovatives Tool, das auf ChatGBT basiert und es ermöglicht, einfach und schnell Videos aus Text zu erstellen. Dabei kann aus verschiedenen Stilen und Vorlagen gewählt werden.
Zapier: Zapier ist eine Software, die es ermöglicht, verschiedene Webanwendungen miteinander zu verbinden und automatisierte Workflows zu erstellen. Mit Zapier kann man zum Beispiel Gmail mit Dropbox verknüpfen, um automatisch E-Mail-Anhänge zu speichern, oder Twitter mit Google Sheets, um Tweets in einer Tabelle zu erfassen. Zapier unterstützt über 3.000 Anwendungen und bietet eine einfache Schnittstelle, um Zaps zu erstellen, ohne Code schreiben zu müssen.
Perplexity: Perplexity ist eine KI-gestützte Suchmaschine, die fortschrittliche Technologien zur Verarbeitung natürlicher Sprache und zum maschinellen Lernen einsetzt, um Nutzern direkte und umfassende Antworten auf ihre Fragen zu liefern. Dabei benennt das Tool die Quellen und man kann mit ihm wie mit einem Chatbot agieren. Dabei kombiniert es eigentlich die Funktionen von ChatGBT und Google.
Fireflies: Fireflies ist ein KI-gestütztes Tool, das für die automatische Transkription von Meetings und Gesprächen entwickelt wurde. Mit Fireflies.ai können Meetings aufgezeichnet, transkribiert und durchsucht werden, um wichtige Informationen schnell zu finden. Das Tool integriert sich in gängige Konferenzplattformen wie Zoom, Google Meet und Microsoft Teams und ermöglicht es, Transkripte in Echtzeit zu teilen und zu bearbeiten.

«Beratung in einer Welt mit KI muss sich mehr zu technologischen und datenbezogenen Entwicklungen verhalten.»

SimCoach: SimCoach.org ermöglicht traumatisierten Veteranen, anonym und unkompliziert mit einem virtuellen Assistenten in Kontakt zu treten. SimCoach kann dabei das Verhalten der Nutzer beobachten, daraus lernen und mit Hilfe eines Chatbots einen adaptiven Dialog führen. Dadurch kann der virtuelle Assistent auf die individuellen Bedürfnisse und Reaktionen der Nutzer eingehen und sie bei Lernen und Zielerreichung unterstützen. SimCoach ist ein Beispiel für ein Tool, das für Coaching genutzt werden kann – wenn auch aktuell noch nur für einfache und standardisierte Fragestellungen.
pdf.ai: pdf.ai hilft Texte zu verstehen. Zu hochgeladenen pdf-Dokumenten können Fragen beantwortet werden, Zusammenfassung erstellt und Informationen gefunden werden. Dies bietet sich zum Beispiel für die wissenschaftliche Recherche an.

 

Claus-Bernhard Pakleppa
Geschäftsführender Gesellschafter p4d GmbH

Oliver Haas
ZOE-Redakteur, Seniorberater der osb international

 

Literatur:

• Herger, M. (2023). Kreative Intelligenz. Wie ChatGPT und Co die Welt verändern werden, Plassen.
• Kornwachs, K. (2023). KI und die Disruption der Arbeit – Tätigkeiten jenseits von Job und Routine, Hanser.
• Future Forum Bonn #1 (2024). Neu im Team: ChatGPT, Microsoft Copilot und mehr, Veranstaltung am 21.2.2024 in Bonn mit Expert*innen zum Thema KI.


Aus Ausgabe Nr. 3/24: Kopf UND Zahl – KI verändert Organisationen

KI erfährt derzeit wie kaum ein anderes Thema Aufmerksamkeit in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft. Dabei antizipieren einige, dass Technologie bald menschenähnliches Denken replizieren kann, andere glauben genau das nicht und wünschen sich eine stärkere Regulierung der mit KI verbundenen Auswirkungen auf Menschen. Und für Viele ist das Ganze noch eine große Unbekannte. Die Folge ist eine Mischung aus Begeisterung, Verunsicherung und Verteufelung.
Was bedeutet das für Organisationen – für die Gestaltung von Zusammenarbeit und Entscheidungsprozessen? Es gilt, KI kompetent einzusetzen und gleichzeitig kontinuierlich dazu zu lernen. Auch wenn diese Ausgabe der ZOE angesichts der laufenden Entwicklungen nur eine Momentaufnahme sein kann, soll sie dazu ermutigen, sich aufgeschlossen mit dem Thema auseinander zu setzen.